Wenn Spinner durch Spanngurte zu Spannern werden

Krause Gedanken Nr. 19 von Volker Pöhls

One-hit-wonders sind Künstler, die in ihrem Leben nur ein einziges Mal einen Riesenerfolg gehabt haben, dadurch berühmt geworden sind und danach für immer in der Versenkung verschwunden sind. Eiffel 65 waren so eine Gruppe mit ihrem Hit "Blue Da Ba Dee" oder Los des Rio mit ihrem Sommerknüller Macarena.

Wowereit ist auch so ein One-hit-wonder. Wowie freut sich über die TantiemenEigentlich blass und blutleer an der Grenze zur Unsichtbarkeit hat er sich durch einen Hit unsterblich gemacht: Er hat sich als Schwuchtel geoutet mit den Worten "Ich bin schawul, und das ist gut so!" und hat damit den warmen Slogan des Jahrzehnts geprägt. Seitdem ist Wowie ein gemachter Mann. Da er damals nach seiner Rede ein Patent auf diesen Satz angemeldet hatte, verdient er sich damit jetzt eine goldene Nase. Jedesmal wenn er mit seinem Und-das-ist-gut-so®-Slogan zitiert wird, klingelt es gewaltig in seiner Portokasse. Die Urhebergebühren sind dabei gestaffelt: Das gesamte Wowie-Zitat schlägt mit vollen 100 % des Gebührensatzes zu Buche. Wer nur das Anhängsel zweckentfremdet, ohne direkt auf Wowie zu verweisen, zahlt nur 75 %. Das gilt beispielsweise für die Internet-Seite www.gay-und-das-ist-gut-so.de oder den hochinteressanten Vortrag "Linux ist nichts wert - und das ist gut so!". Entferntere Varianten wie "Der Gutsherr machts auf dem Gut so" kosten nur noch 7 bis 9 % des vollen Satzes, das ist dann letzten Endes Verhandlungssache, da lässt Wowie durchaus mit sich reden. Diese Kolumne, das kann sich jeder ausrechnen, kostet mich ein Vermögen (Wowie kann sich davon mehr als einen Herrenabend finanzieren).

Hätte Wowie seinen plötzlichen Reichtum voll und ganz verdient, Max Goldt (Fahndungsphoto)dürfte auch niemand deswegen neidisch sein. Aber genau auf diesen wunden Punkt möchte ich die Aufmerksamkeit der geschätzten Leserschaft richten. Es muss einmal klar gesagt werden: Wowie ist keineswegs der geistige Vater von Und-das-ist-gut-so®. Erfinder dieses genialen Slogans ist nämlich nachweislich kein geringerer als der weltweit von Kolumnenliebhabern verehrte Max Goldt. Dies ist keine bloße, in den weiten Raum geblasene Behauptung, sondern ein Faktum, Faktum, Faktum, das sich klipp und klar belegen und somit nicht so leicht vom Tisch wischen lässt. Schon im Juni 1987 lautete nämlich der letzte Satz von Max Goldts Kolumne "Urin, Heidelbeeren und Marc Almond" (jetzt schon der dritte Schwule auf engstem Raum!):

Max denkt sich einen goldigen Claim aus und jemand anders erntet dafür die Lorbeeren. Ist das nicht ungerecht?! Wie singt und nuschelt Onkel Herbert ganz richtig: "Das Leben ist nicht fair".


Als ich heute morgen nach dem Frühstück aus dem Fenster schaute, wusste ich, wie die Zukunft aussehen wird. Im Nachbarhaus gingen nämlich die Möbelpacker aus und ein, und ich konnte beobachten, dass sowohl der eine als auch der andere Möbelpacker am Möbelwagen, wenn eine Ladung erledigt war, zum Handy griff und wichtige Gespräche führte. Das hat Zukunft, schoss es mir durch den Kopf, da ist noch Potenzial ohne Ende.

Ein MöbelpackerMoebelpacker beim Telefon-Sex ist ja nur zu 50 Prozent ausgelastet. Ich meine damit jetzt nicht die Geschichte, dass er die eine Hand unter dem Klavier hat und fragt: "Was soll ich in die andere Hand nehmen?". Nein, was beim Möbelpacker völlig brachliegt, während er das Klavier schleppt, sind Mund, Ohren und Gehirn (falls bei Möbelpackern überhaupt von einem solchen die Rede sein kann). Sie könnten dieses Potenzial während fast ihrer gesamten Arbeitszeit sinnvoll zum Telefonieren nutzen. Damit der Möbelpacker beim Telefonieren die Hände frei hat, könnte man ihn mit einem Headset ausrüsten, so dass seine Hände sich zärtlich dem Klavier widmen können.

Dann wird er von einer Telefonsex-Agentur per Headset mit KundInnen versorgt. Das Stöhnen und Ächzen, während er das Klavier im engen Treppenhaus in den 5. Stock wuchtet, würde die TelefonkundInnen rasend machen. Angenommen, er quetscht sich den Daumennagel, als ihm das Klavier aus Versehen aus der Hand rutscht. Dieser Aufschrei würde einer Sada-Maso-Nummer die richtige Glaubwürdigkeit verleihen. Der Schränker müsste das Keuchen und Röcheln nicht heucheln, es wäre Teil seines Erstjobs und würde sich hier doppelt auszahlen.

Gelegentlich könnte es zu Missverständnissen kommen. Ein gebrülltes "rechts, weiter nach rechts" könnte vom Telefonpartner als unpassend empfunden werden. Hintergrundsgespräche wie "Hast du ne Ahnung, wo der Schraubenzieher ist?" wären eher geschäftsschädigend. Natürlich könnte der Möbelpacker auch Telefonseelsorge machen. Das ständige Ächzen und Stöhnen würde bei den Depressiven aber nicht so gut ankommen.


Unser Alphabet war keineswegs schon immer so wie heute. Nein, auch die Buchstaben sind das Endergebnis der Evolution, die viele Jahre, was sag ich, Jahrtausende gedauert hat. Ganz zu Anfang, bevor die Selbstlaute erfunden wurden, das muss im Sadotertiär gewesen sein, war es grauslig. Sprechen Sie mal ohne Selbstlaute: "Sprchn S ml hn Slbstlt"! Die Menschen starben reihenweise vorzeitig an Stimmbruch, weil ihnen die vielen Konsonanten die Stimme gebrochen hatten.

Das änderte sich erst, als das "E" erfunden wurde. Plötzlich hieß die ostfriesische Stadt "Mdn" dank der Einführung des Es "Emden" und das ging ganz gut von der Zunge. Die Kinder jubilierten und sangen auf den Straßen "Dree Chenesen met dem Kentrebeß". Die Kühe waren überglücklich, dass sie nicht mehr "mh" sagen mussten, sondern sich mit einem lautstarken "Meeh" zu Wort melden konnten.

Eines TagesLegeseer Weg trotz Sprachreform kam die endgültige Wende. Der Erfinder des Eees hatte nämlich auch noch andere Vokale erfunden, insgesamt 47 verschiedene. Auf die hatte er aber rechtzeitig ein Patent angemeldet. Irgendwann hatte unser Herrscher es satt, immer nur mit "Welhelm der Zweete" angesprochen zu werden. So kam es, dass er eines Tages ein A, I, O und U kaufen wollte. Ihm war aber der Preis dafür zu hoch. So feilschte der sparsame (damals sagte man noch "sperseme") Welhelm wochen- und monatelang, bis der Patentinhaber schließlich die Nase voll hatte und ihm für den gleichen Preis noch die Umlaute und das Ypsilon gab.

Und auf diesem Stand sind wir heute noch. Der Erfinder der Vokale war natürlich ein gemachter Mann. Geld spielte für ihn keine Rolle mehr. Wenn er in die Pizzeria zum Lunch ging, konnte er sich ohne weiteres die Pizza "Wagenrad" leisten. Die übrigen 38 Vokale nahm er leider mit ins Grab. Fast alle nutzten die neuen Vokale weidlich aus. Die Hunde einigten sich darauf, statt "Wehweh" "Wauwau" zu bellen. Nur einige wenige verpennten den neuen Trend völlig, so zum Beispiel Bleckede und der Leegeseeer Weg.


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