Gute Maler aus Guatemala

Krause Gedanken 15

von Volker Pöhls

Manche Menschen definieren sich über das Auto, das sie fahren. Würde man sie fragen: "Was bist du eigentlich für ein Mensch?", so würden sie - wie aus der Schreckschußpistole geschossen - antworten: "Ich bin ein Honda Cabriolet". Auf die Nachfrage nach ihrer Ausbildung würde man als Antwort erhalten: "Führerschein Klasse 2 und 3". Wenn der Wagen mal kaputt ist, dann haben diese Menschen keine Identität mehr, sind so lange Zombies, bis endlich ein neuer in der Garage steht.

Carlo Thränhardt hat dagegen eine ganz andere Identität. In einem Artikel in irgendeinem Schmutzblatt, der die Stars und Sternchen einer Promiparty aufzählte, wurde Carlo Thränhardt wie folgt charakterisiert: Freund von Boris Becker ("Ich gehe zu jeder Party").
Als Carlo Thränhardt zur Berufsberatung beim Arbeitsamt kam, war gerade Rosenmontag. Alle hatten Narrenkappen und Pappnasen auf. Eine angeheiterte Praktikantin verpaßte Carlo ganz spontan den Beruf "Freund von Boris Becker"; seitdem steht dieser Beruf auf Carlos Visitenkarte. Beim heiteren Beruferaten wäre Carlos Beruf eine harte Nuß.
Normale Menschen arbeiten acht Stunden pro Tag. "Freund von Boris Becker" sein ist dagegen ein Fulltime-Job. Das ist man rund um die Uhr, auch am Wochenende, sogar im Tiefschlaf.
Wenn mal polizeilich nach Carlo gefahndet werden sollte (was der Allmächtige verhüten möge) und nach unveränderlichen Kennzeichen wie Glasaugen, Holzbeinen und künstlichen Hüftgelenken gefragt werden sollte, dann würde man bei Carlo sagen: "Unveränderliches Kennzeichen: Freund von Boris Becker". Sollte Boris Becker mal nicht mehr sein Freund sein wollen, so möchte man Carlo empfehlen, eine Unterhaltsklage gegen Boris Becker anzustrengen, da eine Trennung ja einem Berufsverbot gleichkäme.

Liebe Punks aus Hamburg Altona,
Ihr verdient Euch doch gerne mal ne Mark dazu, indem Ihr an den Ampeln herumlungert und unschuldigen Autofahrern eine kleine Windschutzscheibenbehandlung aufnötigt. Wenn Ihr aber - wie die Pfadfinder - eine richtig gute Tat tun wollt und das schöne Wort "Diversifikation" für Euch und Eure possierlichen Kampfhunde kein Fremdwort ist, dann solltet Ihr den unschuldigen Autofahrern mal anbieten, ihnen ihre defekten Glühlampen schnell und unbürokratisch auszuwechseln. Auf dem Gebiet könntet Ihr gute Werke tun, zumal ja die meisten Geisterfahrer gar keine Ahnung haben, daß ihre Funzeln kaputt sein könnten.
Mit einer solchen Aktion hättet Ihr meine vollste Unterstützung. Außerdem würde ich mir klammheimlich ins Fäustchen lachen, wenn Ihr dem einen oder anderen BMW-Fahrer (aus Versehen, versteht sich) im Vorbeigehen eine richtig schöne Schramme in die Fahrertür ziselieren könntet - aber bloß nicht weitersagen.

In einem freien Land darf jeder Getränke so aussprechen, wie es ihm paßt. Er muß zu einer Flasche SPRITE nicht [sprait] sagen, er kann sie auch mit einem amerikanisch gerollten [sprrrait] ordern. Eine pluralistische Gesellschaft läßt sicher auch ein [schbrait] durchgehen. Allerdings tun sich erste Verständigungsprobleme auf, wenn [spritt] geordert wird - in Tankstellenshops kann man mit beidem dienen. Wer allen zeigen will, daß er sich voll auf der Höhe des Zeitgeistes befindet, spricht allerdings von [spraitii], in Anlehnung an die ähnlich klingenden [naikii]-Turnschuhe. Dabei bitte den kleinen Finger unmerkbar abspreizen.

Wollen Sie Beifall klatschen oder aufmucken ? Mailen Sie mir
Januar 2001 The Artist formerly known as Dottore

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